Einmal im Monat folgt man den Nachtbarden ins altehrwürdige Theater am Küchengarten, um dem Autorenensemble und seinen Gästen zu lauschen. Neben Geschichten und Texten finden auch Musik, Kurzfilme und Kleinkunst ihren Platz. Nicht von Ungefähr hat sich der Titel "Hannovers skurrilste Lesebühne" etabliert.

Die Nachtbarden Kersten Flenter, Johannes Weigel, Ninia LaGrande und Tobias Kunze lesen jeden Monat als Stammbesetzung vor. Dazu sind immer mindestens großartige Gäste mit auf der Bühne und stellen ihre Texte, ihre Musik oder irgend ein Kind aus beidem vor.

Neben ihrem heutigen Standort, dem Theater am Küchengarten, sorgten die Nachtbarden auch schon an anderen Orten für ungewöhnliches Kulturprogramm: Open Air Juli 2008 und Juli 2009 am Leibniztempel im Georgengarten beispielsweise, wo die Nachtbarden zu live erzeugten Synthie-Klängen und Elektro-Musik von zwei Soundtüftlern lasen. Beim Fährmannsfest 2010, wo sie mit dem Soundkünstler und Produzenten Felix Wolter sphärische Dub-Poetry umsetzten. Oder im Oktober 2008 im Kabinett der Künste in Magdeburg, wo die Nachtbarden beim Literaturbühnenfestival im Wettbewerb eine Hälfte des ersten Platzes belegten.

Was sie auch unternehmen, sicher ist: Es wird jedesmal aufs Neue spannend!

Die Lesebühne Nachtbarden: Johannes Weigel, Ninia LaGrande, Tobias Kunze und Kersten Flenter (v. l. n. r.)

Evelyn Werner zum Auftritt vom 19.02.2012 auf myHeimat.de:

 

Nachtbarden: Mehr als nur Texte

 

Hannover: TAK | Ein Besuch bei den Nachtbarden ist jeden Monat lohnenswert und tut gut für Ohren und Augen.


Es gibt aber Abende, die ragen besonders heraus. So ein Abend war es dieses Mal.


Einer der Gründe war der Gast des Abends Kurt Appaz , der aus seinem Roman „Klassentreffen“ mit einer Leseprobe alle ZuhörerInnen begeistert. Alle, weil er in einem mitnehmenden Plauderton schreibt. Und insbesondere die etwas älteren Hannoveraner, weil sie immer wieder glaubten, in ihrer eigenen Vergangenheit unterwegs zu sein. Man hat den Eindruck, die Erinnerung des Romanerzählers kann nur so konkret, so detailverliebt sein, weil er seine ganze eigene Vergangenheit in wortgenauen Tagebüchern festgehalten hat. So blieb nur eines, seine Lesung – bei der Kersten Flenter und Hartmut El Khurdi mit Rollen übernahmen – dadurch fortzusetzen, dass man selbst zu diesem Roman greift – und man greift dazu!


Der andere rote Faden dieses Abends wir direkt oder auch indirekt Dietrich Kittner, der Mann, der viele Jahre das TAK leitete. Das TAK, das er als Kabarettist und Vorbild für viele in dieser Szene heute aktive zu einem weit bekannten Mittelpunkt nicht nur für das Kabarett machte, ist nun die Heimat der Nachtbarden. Dietrich Kittner ist vor wenigen Tagen gestorben. Tobias Kunze erinnerte an Dietrich Kittner. Aber Tobias Kunze hatte auch eine für ihn typische Rabengeschichte mitgebracht. Und wieder unterstrich er seinen Vortrag mit einer vom ganzen Körper getragenen Gestik. Igel gebraten gab es in einer Geschichte von Johannes Weigel. Kersten Flenter, der ganz unscheinbar seinen Roman „Ein Drehbuch für Götz“ mitgebracht hatte (vielleicht liest er ja bei den nächsten Nachtbarden daraus vor), beschäftigte sich einmal mit den Skorpions und ließ alle mit seinem „Bettgespräch“ in den Spiegel schauen. Pauline Füg erklärte zunächst, was es heißt, zwischen den Stühlen zu sitzen und träumte später ihre Erlebnisse in Lissabon an Hand einer als Souvenir behaltenen grünen U-Bahnkarte nach.


Ohne Arndt Schulz aber wäre dieser Abend nicht rund gewesen. Seine immer zu den Texten passende Musik sorgte dafür, dass viele Füße und Köpfe einfach mitwippen mussten.